Endocannabinoid-System im Körper

Das Endocannabinoid-System: Einfach erklärt

Zuletzt geändert von David Gach am


Vielleicht hast du schon einmal vom Endocannabinoid-System, kurz ECS, gehört. Besonders häufig fällt der Begriff im Zusammenhang mit CBD und Cannabis.

Was viele nicht wissen: Das Endocannabinoid-System ist kein System, das wir erst durch Cannabis bekommen. Unser Körper besitzt es von Natur aus.

Es handelt sich um ein körpereigenes Kommunikationssystem, das aus Botenstoffen, Rezeptoren und Enzymen besteht. Forscher beschäftigen sich intensiv damit, weil das Endocannabinoid-System an zahlreichen Vorgängen im menschlichen Körper beteiligt ist.

Aber wie funktioniert es eigentlich? Und was hat CBD damit zu tun?

Was ist das Endocannabinoid-System?

Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes Signalsystem.

Entdeckt wurde es vergleichsweise spät. Forscher untersuchten zunächst, wie Bestandteile der Cannabispflanze im Körper wirken. Dabei fanden sie bestimmte Andockstellen – die sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren.

Die spannende Erkenntnis folgte später:

Unser Körper besitzt diese Rezeptoren nicht deshalb, weil es Cannabis gibt. Er produziert selbst Stoffe, die mit ihnen interagieren.

Diese körpereigenen Stoffe nennt man Endocannabinoide.

Heute werden drei wichtige Bestandteile des Endocannabinoid-Systems unterschieden:


  • Endocannabinoide als körpereigene Botenstoffe

  • Cannabinoid-Rezeptoren als eine Art Empfangsstelle

  • Enzyme, die Endocannabinoide bilden und wieder abbauen


Endocannabinoid-System-Schaubild



Zu den bekanntesten Endocannabinoiden gehören Anandamid und 2-AG. Zu den am besten untersuchten Rezeptoren gehören CB1 und CB2.

Was sind Endocannabinoide?

Endocannabinoide sind Stoffe, die unser Körper selbst herstellen kann.

Die beiden bekanntesten heißen:

Anandamid (AEA)
und
2-Arachidonoylglycerol (2-AG).

Der Name Anandamid leitet sich übrigens vom Sanskrit-Begriff „Ananda“ ab, der unter anderem mit Freude oder Glückseligkeit übersetzt wird. Deshalb wird Anandamid gelegentlich als „Glücksmolekül“ bezeichnet.

Das klingt schön, ist wissenschaftlich allerdings etwas zu einfach.

Anandamid hat nicht nur eine einzige Aufgabe und ist kein körpereigener „Glücksschalter“. Endocannabinoide sind vielmehr Teil eines komplexen Kommunikationssystems.

Sie werden bei Bedarf gebildet und anschließend wieder abgebaut.

Was sind CB1- und CB2-Rezeptoren?

Damit Botenstoffe Informationen weitergeben können, benötigen sie passende Empfänger.

Beim Endocannabinoid-System gehören dazu insbesondere die CB1- und CB2-Rezeptoren.

CB1-Rezeptoren

CB1-Rezeptoren kommen besonders häufig im zentralen Nervensystem vor, finden sich aber auch in anderen Bereichen des Körpers.

Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen.

CB2-Rezeptoren

CB2-Rezeptoren findet man unter anderem auf verschiedenen Zellen des Immunsystems. Auch sie kommen jedoch nicht ausschließlich dort vor.

Die einfache Vorstellung „CB1 ist nur im Gehirn und CB2 nur im Immunsystem“ wäre deshalb nicht ganz richtig.

Wie funktioniert das Endocannabinoid-System?

Vereinfacht kann man sich das System wie eine Kommunikation zwischen verschiedenen Stellen des Körpers vorstellen.

Der Körper bildet bei Bedarf Endocannabinoide. Diese können mit Rezeptoren interagieren und dadurch an der Weitergabe von Signalen beteiligt sein.

Anschließend werden die Endocannabinoide wieder abgebaut.

Dafür besitzt der Körper verschiedene Enzyme. Bei Anandamid spielt beispielsweise das Enzym FAAH eine wichtige Rolle. Für den Abbau von 2-AG ist unter anderem ein Enzym namens MAGL zuständig.

Das Ganze ist also kein dauerhaft eingeschaltetes System.

Der Körper kann Endocannabinoide bilden, Signale übermitteln und die Botenstoffe anschließend wieder abbauen.

Was macht das Endocannabinoid-System im Körper?

Das ECS wird im Zusammenhang mit zahlreichen körperlichen Vorgängen erforscht.

Dazu gehören beispielsweise Bereiche wie:

  • Nervensystem

  • Stoffwechsel

  • Appetit

  • Gedächtnis

  • Stressreaktionen

  • Immunprozesse

  • Schlaf-Wach-Prozesse

Wichtig ist dabei die Formulierung „ist beteiligt“.

Das Endocannabinoid-System ist beispielsweise nicht einfach unser „Schlafsystem“ oder „Entspannungssystem“. Viele Vorgänge im Körper entstehen durch das Zusammenspiel zahlreicher Botenstoffe, Hormone, Nervenzellen und Organe.

Das ECS ist ein Teil dieses komplexen Netzwerks.

Warum heißt es überhaupt Endocannabinoid-System?

Der Name kann zunächst verwirrend sein.

„Endo“ bedeutet sinngemäß „von innen“ beziehungsweise „körpereigen“.

Cannabinoide aus der Cannabispflanze werden dagegen als Phytocannabinoide bezeichnet. „Phyto“ steht für Pflanze.

Wir können also unterscheiden:

Endocannabinoide: werden vom Körper selbst gebildet.

Phytocannabinoide: kommen natürlicherweise in der Cannabispflanze vor.

Zu den Phytocannabinoiden gehören beispielsweise THC und CBD.

Das bedeutet jedoch nicht, dass körpereigene Endocannabinoide und pflanzliche Cannabinoide identisch sind.

Was hat THC mit dem Endocannabinoid-System zu tun?

THC kann an Cannabinoid-Rezeptoren binden und insbesondere CB1-Rezeptoren aktivieren.

Genau diese Wechselwirkung ist wesentlich für die berauschende Wirkung von THC.

Unser körpereigenes Anandamid kann ebenfalls mit CB1-Rezeptoren interagieren. Das bedeutet aber nicht, dass Anandamid und THC dasselbe sind.

Und was hat CBD mit dem Endocannabinoid-System zu tun?

Bei CBD ist die Sache komplizierter.

CBD funktioniert nicht einfach wie THC und aktiviert die klassischen Cannabinoid-Rezeptoren nicht auf dieselbe Weise.

Stattdessen wird untersucht, wie CBD verschiedene Rezeptoren, Enzyme und andere Signalwege beeinflussen kann. Dazu gehören auch Mechanismen, die mit dem Endocannabinoid-System verbunden sind. Die Pharmakologie von CBD ist allerdings komplex und bis heute Gegenstand der Forschung.

Deshalb wäre die Aussage:

„CBD aktiviert das Endocannabinoid-System“

zu stark vereinfacht.

Treffender ist:

CBD kann mit verschiedenen biologischen Signalwegen interagieren, zu denen auch Bestandteile des Endocannabinoid-Systems gehören.

Daraus lässt sich außerdem nicht automatisch ableiten, dass handelsübliche CBD-Produkte bestimmte gesundheitliche Wirkungen besitzen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass viele der CBD zugeschriebenen gesundheitsfördernden Wirkungen bislang nicht wissenschaftlich belegt sind.

Was hat Anandamid mit CBD zu tun?

An dieser Stelle treffen zwei unserer Themen aufeinander.

Anandamid wird nach seiner Verwendung wieder abgebaut. CBD wird unter anderem daraufhin untersucht, ob es Prozesse beeinflussen kann, die für die Verfügbarkeit und Verarbeitung von Anandamid eine Rolle spielen.

Man liest deshalb gelegentlich:

„CBD erhöht den Anandamid-Spiegel.“

So pauschal sollte man es jedoch nicht formulieren.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen CBD und dem Anandamid-System. Wie diese beim Menschen genau ablaufen und welche praktische Bedeutung sie haben, ist jedoch komplexer.

Mehr dazu erklären wir ausführlich in unserem Artikel „CBD und Anandamid: Was haben sie miteinander zu tun?“

Warum wurde das Endocannabinoid-System erst so spät entdeckt?

Das ECS ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel wir über unseren eigenen Körper noch lernen.

Die Erforschung von Cannabis führte Wissenschaftler zunächst zu den Cannabinoid-Rezeptoren. Anfang der 1990er-Jahre wurde anschließend Anandamid identifiziert.

Nach und nach entstand daraus das heutige Bild eines ganzen körpereigenen Signalsystems.

Die Forschung ist damit keineswegs abgeschlossen.

Heute wissen wir deutlich mehr über das Endocannabinoid-System als noch vor wenigen Jahrzehnten. Gleichzeitig werden weiterhin neue Zusammenhänge und Mechanismen untersucht.

Fazit: Ein körpereigenes Kommunikationssystem

Das Endocannabinoid-System ist ein natürlich vorkommendes Signalsystem unseres Körpers.

Zu seinen wichtigsten Bestandteilen gehören:

Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG,
Rezeptoren wie CB1 und CB2
sowie Enzyme, die Endocannabinoide bilden und wieder abbauen.

Das System ist an verschiedenen Vorgängen im Körper beteiligt und wird deshalb intensiv erforscht.

CBD und THC können mit Bestandteilen dieses Systems interagieren – allerdings auf unterschiedliche Weise. Besonders bei CBD sind die Zusammenhänge komplexer, als einfache Aussagen wie „CBD aktiviert das Endocannabinoid-System“ vermuten lassen.

Wer CBD verstehen möchte, sollte deshalb zunächst das Endocannabinoid-System verstehen. Denn genau hier wird deutlich: Cannabinoide treffen in unserem Körper auf ein Kommunikationssystem, das schon lange vor dem ersten Kontakt mit der Hanfpflanze vorhanden war.

Häufige Fragen zum Endocannabinoid-System

Hat jeder Mensch ein Endocannabinoid-System?

Ja. Das Endocannabinoid-System ist ein körpereigenes biologisches Signalsystem und nicht davon abhängig, ob jemand Cannabis oder CBD verwendet.

Was sind die wichtigsten Endocannabinoide?

Zu den am besten untersuchten Endocannabinoiden gehören Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG).

Was bedeutet CB1 und CB2?

CB1 und CB2 sind Cannabinoid-Rezeptoren. Sie befinden sich in unterschiedlichen Bereichen des Körpers und können Signale von Endocannabinoiden aufnehmen.

Aktiviert CBD das Endocannabinoid-System?

Diese Aussage wäre zu einfach. CBD wird mit verschiedenen Rezeptoren, Enzymen und Signalwegen in Verbindung gebracht. Dazu gehören auch Bestandteile des Endocannabinoid-Systems. Die genauen Zusammenhänge sind komplex und werden weiterhin erforscht.

Ist das Endocannabinoid-System nur für CBD wichtig?

Nein. Das ECS ist ein körpereigenes System und funktioniert unabhängig davon, ob ein Mensch CBD oder Cannabis verwendet.


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Meta Description: Was ist das Endocannabinoid-System? Erfahre einfach erklärt, welche Rolle Anandamid, 2-AG sowie CB1- und CB2-Rezeptoren im Körper spielen.

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