Endocannabinoid System Graphik

Das Endocannabinoid-System

Geschrieben von Lena Grammling

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Lesezeit 5 min

Wer die Funktionsweise von CBD verstehen möchte, kommt an dem Endocannabinoid-System (ECS) nicht vorbei. Das Endocannabinoid-System kommt im Gehirn und Nervensystem aller Säugetierarten vor und ermöglicht die Interaktion von CBD mit dem Körper. Cannabinoide wie CBD oder THC können an verschiedene Rezeptoren des ECS andocken und somit verschiedene Körperfunktionen beeinflussen.


Was ist das Endocannabinoid-System?

Das Endocannabinoid-System (Abkürzung für endogenes Cannabinoid-System) ist ein komplexes Kommunikationssystem zwischen Körper und Gehirn, das in den frühen 1990er Jahren entdeckt wurde. Es spielt eine wichtige Rolle in der Regulierung verschiedener Körperfunktionen und Prozesse, darunter Schmerzempfinden, Stimmung, Appetit, Schlaf und Immunfunktionen.¹


Geschichte und Erforschung

Die Entdeckung des Endocannabinoidsystems ist eng mit der Erforschung von Cannabis und dessen Wirkstoffen, den Cannabinoiden, verbunden. Im Jahr 1964 gelang es dem israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam, das Cannabinoid THC zu isolieren. Diese Entdeckung führte zu weiteren Forschungen über die Art und Weise, wie Substanzen aus der Hanfpflanze im menschlichen Körper wirken.


In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren identifizierten Wissenschaftler die ersten Cannabinoid-Rezeptoren im menschlichen Gehirn. Diese Rezeptoren, die als CB1 und CB2 bekannt sind, bilden einen wesentlichen Bestandteil des Endocannabinoidsystems. CB1 Rezeptoren sind hauptsächlich im Gehirn und Nervensystem lokalisiert, während CB2 Rezeptoren mehr im Immunsystem und in peripheren Organen zu finden sind.


Namensgebung

Der Name "Endocannabinoid-System" leitet sich von "Endo-", was "innerhalb" bedeutet, und "Cannabinoid", ab. Dies bezieht sich auf Substanzen, die im Körper natürlich vorkommen und ähnlich wie die Cannabinoide aus der Cannabispflanze wirken. Die endogenen Cannabinoide, bekannt als Endocannabinoide, sind Substanzen, die der Körper selbst produziert und die an die Cannabinoid-Rezeptoren andocken können.


Aktuelle Bedeutung und Forschung

Das Endocannabinoid-System wird derzeit intensiv erforscht, da es viele potenzielle Möglichkeiten bietet, eine Vielzahl von Krankheiten zu behandeln. Das Verständnis des ECS hat dazu beigetragen, das therapeutische Potential von Substanzen wie CBD in der Medizin zu erkunden.


Aufbau und Funktionsweise des Endocannabinoid-Systems

Aufbau des ECS

Das Endocannabinoidsystem besteht aus folgenden Komponenten:

  • Rezeptoren
  • Cannabinoide (Signalstoffe)
  • Enzyme


Vereinfacht gesagt binden Cannabinoide an die Rezeptoren an und lösen so unterschiedliche Reaktionen im Körper aus. Die Enzyme sind dann für Synthese und Abbau der Cannabinoide verantwortlich.


Das Endocannabinoid-System ist ein komplexes Netzwerk, das in fast allen Geweben des Körpers vorhanden ist. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation einer Vielzahl von physiologischen Prozessen und zielt darauf ab, das innere Gleichgewicht des Körpers (Homöostase) aufrechtzuerhalten.² Somit spielt das ESC eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des körperlichen Gleichgewichts und der Gesundheit.


Hier ist eine detaillierte Erläuterung der Bestandteile und Funktionen des Endocannabinoidsystems:


Rezeptoren


  • CB1-Rezeptoren: Diese sind hauptsächlich im Gehirn und im zentralen Nervensystem zu finden, aber auch in einigen peripheren Organen und Geweben. Sie sind an der Regulierung von Schmerz, Stimmung, Appetit und Gedächtnis beteiligt.³

  • CB2-Rezeptoren: Diese kommen vor allem im Immunsystem und in den peripheren Organen vor. Sie sind an der Regulierung von Entzündungsreaktionen und Immunantworten beteiligt.³

Cannabinoide


  • Endogene Cannabinoide (Endocannabinoide): Diese werden vom Körper selbst hergestellt. Die bekanntesten sind Anandamid und 2-Arachidonylglycerol (2-AG). Sie werden bei Bedarf synthetisiert und binden an die CB1- und CB2-Rezeptoren, um verschiedene Körperfunktionen zu regulieren.

  • Exogene Cannabinoide: Diese kommen von außen, hauptsächlich aus der Cannabispflanze. Dazu gehören THC, das eine psychoaktive Wirkung hat, und CBD, das nicht psychoaktiv ist, aber therapeutische Wirkungen hat.

Enzyme

Diese sind für die Synthese und den Abbau von Endocannabinoiden verantwortlich.⁴ Zu den wichtigsten Enzymen gehören:


  • Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH): Baut Anandamid ab.

  • Monoacylglycerol-Lipase (MAGL): Baut 2-AG ab.

Funktionsweise des ECS

Insgesamt wirkt das Endocannabinoid-System wie ein fein abgestimmtes Regelsystem, das auf Veränderungen im Körper reagiert und dabei hilft, ein gesundes Gleichgewicht in einer Vielzahl von physiologischen Prozessen zu erhalten:


  1. Wenn der Körper ein Ungleichgewicht feststellt (z.B. Schmerz, Stress, Entzündung), werden Endocannabinoide synthetisiert.

  2. Diese Endocannabinoide binden an CB1- oder CB2-Rezeptoren und lösen Signale aus, die darauf abzielen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

    Zum Beispiel kann die Bindung von Endocannabinoiden an CB1-Rezeptoren im Gehirn dazu führen, dass weniger Schmerzsignale gesendet werden, was zur Schmerzlinderung führt.

  3. Nachdem sie ihre Funktion erfüllt haben, werden die Endocannabinoide durch Enzyme wie FAAH und MAGL abgebaut, um zu verhindern, dass sie weiterhin auf das System einwirken.

Welche Körperfunktionen werden durch das ECS beeinflusst?

Das Endocannabinoid-System ist ein multifunktionales System, das als Schlüsselregulator in nahezu allen wichtigen Körperfunktionen wirkt und eine zentrale Rolle in der Aufrechterhaltung der Gesundheit und des Gleichgewichts im Körper spielt.²

Folgende Körperfunktionen und Prozesse können durch das Endocannabinoid-System beeinflusst werden:
 

Regulierung der Homöostase:
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in verschiedenen Körpersystemen.
Anpassung an interne und externe Veränderungen zur Wahrung der Stabilität.

Schmerzmodulation:
Verringerung der Schmerzempfindlichkeit durch Beeinflussung der Schmerzsignalwege.
Eingriff in Entzündungsprozesse und damit verbundene Schmerzreaktionen.

Stressreaktion und Emotionen:
Beeinflussung von Stressreaktionen und Angstzuständen.
Regulation von Stimmung und emotionaler Verarbeitung.

Neuroprotektion und neuronale Entwicklung:
Schutz von Nervenzellen vor Schädigung.
Unterstützung bei der neuronalen Entwicklung.
Einfluss auf Lernprozesse und Gedächtnis.

Appetitregulation und Verdauung:
Einfluss auf Hungergefühle und Nahrungsaufnahme.
Beteiligung an Verdauungsprozessen.

Immunfunktion:
Modulation des Immunsystems und Entzündungsreaktionen.
Unterstützung des Körpers bei der Abwehr von Krankheiten.

Fortpflanzung und Sexualverhalten:
Beeinflussung der Fortpflanzungsfunktionen und Sexualverhaltens.

Herz-Kreislauf-Funktionen:
Regulation von Herzfrequenz und Blutdruck.
Einfluss auf die Durchblutung und Gefäßfunktionen.

Energiestoffwechsel und Körpertemperatur:
Beteiligung an der Regulierung des Energiestoffwechsels.
Einfluss auf die Körpertemperatur und den thermoregulatorischen Prozess.

Knochenwachstum und -dichte:
Regulierung von Knochenwachstum und -dichte.
Einfluss auf die Knochengesundheit und -reparatur.


ECS und CBD

CBD (Cannabidiol) ist ein nicht-psychoaktives Cannabinoid, das aus der Cannabispflanze gewonnen wird. Es interagiert mit dem Endocannabinoid-System (ECS) des Körpers, jedoch auf eine andere Weise als das bekanntere Cannabinoid THC (Tetrahydrocannabinol). CBD beeinflusst das ECS und kann so verschiedene gesundheitliche Vorteile bieten.⁵


Interaktion von CBD mit dem ECS


  • Indirekte Beeinflussung der Rezeptoren: CBD wirkt hauptsächlich indirekt auf die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Es bindet nicht direkt an diese Rezeptoren wie THC, sondern beeinflusst die Rezeptoren indirekt und moduliert deren Aktivität.

  • Erhöhung der Endocannabinoid-Verfügbarkeit: CBD kann die Konzentration von Endocannabinoiden wie Anandamid erhöhen, indem es deren Abbau hemmt. Dies geschieht durch die Inhibierung von Enzymen wie FAAH, die für den Abbau dieser Moleküle verantwortlich sind.

Einsatz von CBD zur Gesundheitsförderung und Gleichgewichtserhaltung


  • Schmerzlinderung: CBD kann bei der Behandlung von chronischen Schmerzen helfen, indem es die Schmerzsignale moduliert.

  • Entzündungshemmung: CBD hat entzündungshemmende Eigenschaften, die bei Erkrankungen wie Arthritis hilfreich sein können.

  • Stress und Angst: CBD wird oft zur Linderung von Angstzuständen und Stress eingesetzt, da es beruhigend wirken kann.


  • Neuroprotektion: Es gibt Hinweise darauf, dass CBD neuroprotektive Eigenschaften besitzt, was es für die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen relevant macht. 

  • Epilepsie: CBD hat sich als wirksam in der Behandlung von einigen Formen der Epilepsie, insbesondere bei seltenen und schweren Formen, erwiesen.

  • Psychische Gesundheit: CBD wird erforscht für seine potenzielle Rolle bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depressionen.

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass die Forschung zu CBD und seinen Effekten noch andauert und viele der potenziellen gesundheitlichen Vorteile weiterhin untersucht werden.


ECS - Facts to keep

✓ Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein Teil unseres Nervensystems und ermöglicht die Interaktion von CBD mit unserem Körper.

✓ Das ECS spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des körperlichen Gleichgewichts und der Gesundheit.

✓ Das ECS besteht aus Rezeptoren, Cannabinoiden und Enzymen.

✓ Es gibt körpereigene / endogene Cannabinoide (= Endocannabinoide) und körperfremde / exogene Cannabinoide.

✓ CBD und THC sind exogene Cannabinoide.

✓ Cannabinoide binden an die Rezeptoren des ECS an und lösen so unterschiedliche Reaktionen im Körper aus.

✓ Das ECS kann verschiedene Körperfunktionen und Prozesse beeinflussen, darunter Schmerzempfinden, Stimmung, Appetit, Schlaf und Immunfunktionen.

✓ CBD Produkte wie CBD Öle können das ECS von außen unterstützen.



Quellen und Studien

¹ R. Schicho, M. Storr: A potential role for GPR55 in gastrointestinal functions. In: Current Opinion in Pharmacology. Band 12, Nummer 6, Dezember 2012, S. 653–658

² Sallaberry, C. & Astern, L. (2018). The Endocannabinoid System, our universal regulator. Journal of Young Investigators. 34 (6). S. 48-55. Download vom 26. Januar 2024, von [Quelle]

³ Leinow, L. & Birnbaum, J. (2019). Heilen mit CBD. Das wissenschaftlich fundierte Handbuch zur medizinischen Anwendung von Cannabidiol. Riva Verlag: München.

⁴ Grotenhermen, F. (2017). Endogene Cannabinoid und das Endocannabinoidsystem. Springer Reference Psychologie book series. Download vom 26. Januar 2024, von [Quelle]

⁵ Patel, R. (2019). Gesund mit CBD Öl. Das Wundermittel gegen Stress, Schmerzen, Schlafstörungen und mehr. Dorling Kindersley Verlag: München.