Cannabis-Hyperemesis-Syndrom: THC als Ursache, CBD als Alternative?
|
Lesezeit 8 min
Kostenlose Lieferung ab 59€ 🚚
|
Lesezeit 8 min
Mit der Legalisierung von Cannabis 2024 nimmt auch das öffentliche Interesse an Erkrankungen zu, die mit dem Cannabiskonsum zusammenhängen. Das hat nicht zwangläufig etwas damit zu tun, dass nun deutlich mehr Menschen Cannabis konsumieren. Möglich ist auch, dass durch die (Teil-)Legalisierung offener über den Konsum gesprochen werden kann und mehr Forschung realisierbar ist. Krankheiten, die lange ein Randthema waren oder kaum benannt wurden, rücken dadurch stärker in den Fokus.
Eine dieser Erkrankungen ist das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom/Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom, kurz CHS, das vor allem mit Attacken von Übelkeit und Erbrechen einhergeht. Auch Menschen, die das nicht-psychoaktive Cannabinoid CBD zu sich nehmen, sind verunsichert. Können solche und ähnliche Erkrankungen, die mit dem Cannabiskonsum zusammenhängen, auch beim Konsum von CBD auftreten? Worauf muss ich achten, um das zu verhindern? Gibt es bestimmte Risikogruppen?
Wir werfen einen detaillierten Blick auf die Krankheit CHS, beschreiben, wer sie bekommen kann und warum und ordnen ein, wie wahrscheinlich CHS für CBD-Anwender ist. (Spoiler: Die Gefahr für CHS ist bei CBD sehr gering.)
CHS ist eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung, die fast ausschließlich bei langanhaltendem, regelmäßigem Konsum von THC-haltigem Cannabis auftritt. Typische Symptome sind schwere, wiederkehrende Brechattacken und das starke Bedürfnis, heiß zu duschen oder zu baden.
Auslösender Faktor für CHS ist nach aktuellem Wissensstand THC. Reines CBD kann das Syndrom nicht verursachen, da es anders auf das Endocannabinoid-System wirkt als das psychoaktive THC.
Für CBD-Anwender besteht nur dann ein theoretisches Risiko, wenn die verwendeten Produkte relevante THC-Mengen enthalten. Bei hochwertigen, THC-armen oder THC-freien CBD-Produkten ist die Gefahr für CHS vernachlässigbar.
Das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom beschreibt eine Störung des Magen-Darm-Trakts, die in direktem Zusammenhang mit einem chronischem Cannabiskonsum steht. Medizinisch beschrieben wurde es erstmals 2004, obwohl die Krankheit natürlich schon vorher existierte. (1) Die Diagnose erfolgt nicht über einen einzelnen Test, sondern durch die Analyse einer Kombination von Symptomen, der individuellen Konsumgeschichte des Patienten und dem Ausschluss anderer Ursachen.
Typisch für CHS ist ein zyklischer Verlauf. In einer frühen Phase verspüren Betroffene diffuse Beschwerden wie morgendliche Übelkeit, Druck/Schmerzen im Oberbauch oder Appetitlosigkeit. Diese Phase kann Monate oder sogar Jahre dauern, häufig ohne dass die Patienten einen Arzt aufsuchen oder eine Diagnose gestellt wird.
Erst in der akuten Phase kommt es zu starkem Erbrechen, nicht selten mehrmals täglich. Die Beschwerden sind oft so stark, dass manche Betroffene in der Notaufnahme landen. Herkömmliche Medikamente gegen Übelkeit helfen üblicherweise nicht zuverlässig. Die Brechattacken können mehrere Tage anhalten und treten häufig in Zyklen auf, zwischen denen sich die Betroffenen relativ normal fühlen. Begleitend können Bauchschmerzen, Schwäche, Schwindel und ein starkes Krankheitsgefühl auftreten.
Besonders auffällig: Die Patienten haben ein starkes Bedürfnis, sehr heiß zu duschen oder zu baden. Die Hitze scheint bei vielen Menschen die Symptome vorübergehend zu lindern. Man geht davon aus, dass die Temperaturreize das zentrale Nervensystem beeinflussen und so kurzfristig Linderung bringen. Tatsächlich ist das Bedürfnis nach heißen Bädern/Duschen so charakteristisch, dass es eines der zentralen Diagnosekriterien für Ärzte auf CHS ist.
Die Gefährlichkeit des Cannabis-Hyperemesis-Syndroms wird leider noch immer oft unterschätzt. Zwar ist die Krankheit selbst nicht unmittelbar tödlich - die Folgen des häufigen Erbrechens können aber kritisch sein. Der Körper verliert über einen langen Zeitraum Flüssigkeit und Elektrolyte, allen voran Kalium, das für eine gesunde Herzfunktion nötig ist. Die Patienten nehmen insgesamt weniger Nahrung zu sich bzw. erbrechen sie wieder, die Folge ist ein teils sehr starker Gewichtsverlust.
Auch akutes Nierenversagen durch den starken Flüssigkeitsverlust ist möglich. Zusätzlich kann starkes Erbrechen zu Verletzungen der Speiseröhre führen, die wiederum weitere Risiken mit sich bringen können.
Besonders problematisch: CHS wird oft sehr verspätet diagnostiziert. Viele Betroffene erleben eine regelrechte Odyssee durch Arztpraxen und unzählige Untersuchungen, ohne dass die wahre Ursache erkannt wird. Es gibt Berichte darüber, dass Betroffene als "Kiffer" abgetan und ihre Symptome ignoriert wurden. Andere haben das Cannabis womöglich selbst von ihrem Arzt verschrieben bekommen - z.B. zur Behandlung von Übelkeit bei Chemotherapien -, sodass der Zusammenhang mit den Symptomen erst spät erkannt wird.
Eine solche Verzögerung verlängert nicht nur unnötiges Leid für die Patienten, mit möglichen körperlichen und psychischen Folgen wie Depressionen oder sozialer Isolation. Sie kann auch dazu führen, dass das Syndrom chronisch wird und sich über Jahre hinweg immer wieder wiederholt.
Noch ist die Studienlage zu CHS eher dünn, die systematische Untersuchung läuft erst seit wenigen Jahrzehnten. Deshalb lässt sich auch zur Häufigkeit von CHS wenig sagen. Studien gehen aktuell davon aus, dass nur ein kleiner Teil aller Cannabis-Konsumenten betroffen ist.
Schätzungen bewegen sich je nach Studie zwischen ein und sechs Prozent bei Personen, die täglich oder nahezu täglich über mehrere Jahre Cannabis konsumieren. Gelegentlicher Konsum scheint nach heutigem Wissensstand kaum ein relevantes Risiko darzustellen. (2)
Besonders auffällig: Es scheint keine große Rolle zu spielen, wie viel Cannabis eine Person konsumiert. Relevant ist vor allem der dauerhafte Konsum. Individuelle Faktoren wie genetische Veranlagung, psychische Disposition, möglicherweise aber auch die Qualität des konsumierten Cannabis scheinen ebenfalls mit hinein zu spielen.
Manche Autoren vermuten, dass das Risiko mit der zunehmenden Potenz moderner Cannabis-Produkte steigen könnte. (3) Der THC-Gehalt heute erhältlicher Sorten ist zum Teil deutlich höher als der früherer Produkte. Da die Hauptursache von CHS in der Interaktion von THC mit den Cannabinoid-Rezeptoren gesehen wird, könnte das die Gefahr tatsächlich erhöhen. Groß angelegte Studien dazu fehlen aber bisher.
Mit der zunehmenden Potenz moderner Cannabisprodukte könnte zu einer Zunahme des Risikos führen. Der THC-Gehalt vieler heute erhältlicher Sorten liegt deutlich höher als noch vor einigen Jahrzehnten. Da THC als Hauptverursacher von CHS gilt, liegt nahe, dass hochpotente Produkte das Risiko steigern, auch wenn hierzu noch keine abschließenden Langzeitdaten vorliegen.
Der Verlauf des Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom CHS erscheint zunächst paradox. Denn: Cannabis gilt inzwischen als besonders wirksames Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, z.B. während Chemotherapien.
Grund dafür ist vor allem das psychoaktive Cannabinoid THC. Es interagiert mit dem Endocannabinoid-System im Körper, das unter anderem eine zentrale Rolle bei der Regulation von Übelkeit, Appetit, Schmerzempfinden, Schlaf und Stress spielt. Kurzfristig wirkt THC daher "anti-emetisch" (emesis = Erbrechen). Langfristig scheint es jedoch bei manchen Menschen zu einer Fehlregulation dieses Systems zu kommen.
Mediziner vermuten, dass CHS durch die wiederholte Aktivierung der Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn und im Verdauungstrakt ausgelöst wird, die wiederum eine paradoxe Reaktion auslöst. Statt Übelkeit zu unterdrücken, wird diese nun verstärkt. Warum das passiert und warum nur ein Teil der Konsumenten betroffen ist, ist noch nicht geklärt. Genetische Unterschiede in der Rezeptorstruktur oder im Abbau von THC könnten eine Rolle spielen.
Besonders interessanter Aspekt (auch für die Klassifikation der Krankheit): Bei den allermeisten Betroffenen verschwinden die Symptome nach bei vollständiger Cannabisabstinenz. Konsumieren die Patienten erneut, kehren die Symptome oftmals zurück.
Während man im Deutschen meist vom Cannabis-Hyperemesis-Syndrom spricht, wird in der englischsprachigen Fachliteratur meist vom Cannabinoid Hyperemesis Syndrom(e) gesprochen. Das führt bei vielen Anwendern von nicht-psychoaktiven Cannabinoiden wie CBD (Cannabidiol) zu Unsicherheit. Kann ich auch von Cannabidiol CHS bekommen?
Hier können wir - zumindest nach aktuellem Forschungsstand - Entwarnung geben. Zwar wirkt auch CBD auf das Endocannabinoidsystem, aber ganz anders als THC. Während THC direkt an die Rezeptoren des ECS andockt, moduliert CBD diese nur. Reines CBD kann also kein CHS auslösen.
Tatsächlich könnte CBD eine gute Alternative zu THC/medizinischem Cannabis sein, da es auch selbst antiemetisch wirken kann - ohne die Gefahr einer paradoxen Reaktion wie bei THC-haltigen Produkten. Hier fehlt es allerdings bislang an umfassenden Studien am Menschen zu reinen CBD-Produkten gegen Übelkeit und Erbrechen.
Trotzdem gibt es Berichte von Betroffenen, dass sie nach Konsum von CBD-haltigen Produkten CHS-Symptome gehabt hätten. Hier muss man zunächst unterscheiden: Ja, reines CBD und Vollspektrum-Öle können zu leichten Verdauungsbeschwerden führen, vor allem bei höheren Dosen. Diese verschwinden jedoch, wenn die Dosis reduziert wird. Auch geht es hier vor allem um Durchfall und Verstopfung, weniger um Erbrechen. Auch das Bedürfnis nach heißen Duschen ist hier nicht Teil der Symptomatik.
Treten "echte" CHS-Symptome nach dem Konsum von CBD-haltigen Mitteln auf, handelte es sich nicht um reines CBD. Manche Vollspektrum-Öle und andere Cannabispräparate enthalten teils recht hohe Anteile von THC - bei frei verkäuflichen Mitteln in Deutschland bis zu 0,3 %. Bei empfindlichen Personen oder solchen, die bereits einmal unter CHS gelitten haben, könnte theoretisch selbst diese geringe Menge THC erneut einen CHS-Schub auslösen.
Auf Nummer sicher gehst du, wenn du ausschließlich CBD-Produkte mit minimalem THC-Gehalt oder CBD-Isolate konsumierst. Die Produkte von Hanfgeflüster enthalten alle unter 0,1 % THC und sind so selbst für empfindliche Personen ungefährlich. Die Inhaltsstoffe werden regelmäßig in unabhängigen Laboranalysen zertifiziert, sodass du dir selbst ein umfassendes Bild machen kannst.
Um dir einen guten Überblick zu geben, haben wir hier das Risiko, an CHS zu erkranken dargestellt - einmal beim Cannabiskonsum, einmal bei der Anwendung von CBD-Vollspektrum-Ölen und einmal für CBD-Isolate.
Cannabis (THC-haltig) |
CBD-Vollspektrum-Präparat (z.B. Öl) |
CBD-Isolat |
|
|---|---|---|---|
Enthaltene Cannabinoide |
Hoher THC-Anteil, weitere Cannabinoide |
CBD als Hauptbestandteil, geringe THC-Spuren möglich |
Reines CBD, kein THC |
Psychoaktive Wirkung |
Ja |
Nein |
Nein |
Zusammenhang mit CHS |
Gut belegt bei chronischem Konsum |
Theoretisch möglich durch THC-Spuren, bisher nicht belegt |
Nach aktuellem Wissen ausgeschlossen |
Hauptauslösender Faktor für CHS |
THC, meist vollständige Symptomlinderung bei Absetzen |
THC-Anteil (falls vorhanden) |
Keiner bekannt |
Risiko bei langfristiger Nutzung |
Vorhanden, v. a. bei täglichem Konsum |
Sehr gering, abhängig von THC-Gehalt |
Sehr gering bis nicht vorhanden |
Typische CHS-Symptome |
Zyklisches Erbrechen, schwere Übelkeit, Unterleibsschmerzen |
Keine typischen CHS-Symptome bekannt |
Keine typischen CHS-Symptome |
Relevanz der Produktqualität |
THC-Konzentration entscheidend |
THC-Kontrolle und Laboranalysen entscheidend |
Reinheit entscheidend |
Eignung für CHS-Betroffene |
Nicht geeignet |
Nur bei garantiert niedrigem THC-Gehalt |
Am ehesten geeignet |
Das Cannabis-Hyperemesis-Syndrom ist zwar selten, aber nicht harmlos. Die Erkrankung ist für die Patienten mit erheblichem Leid verbunden und sollte auch von Ärzten entsprechend ernst genommen werden. Wichtigste Erkenntnis der Forschung in den letzten Jahren: Zentraler Auslöser des Syndroms ist THC, die Symptome verschwinden in den meisten Fällen bei konsequenter Cannabisabstinenz.
Für Menschen, die CBD konsumieren, besteht nach heutigem Kenntnisstand kaum Anlass zur Sorge. Reines CBD kann kein CHS auslösen und unterscheidet sich pharmakologisch deutlich von THC. Entscheidend ist jedoch die Qualität der verwendeten Produkte. CBD-Vollspektrum-Präparate können geringe Mengen THC enthalten, die bei sehr empfindlichen Personen oder bei bestehender CHS-Vorgeschichte theoretisch Symptome auslösen können. Möchtest du auf Nummer sicher gehen, verwende daher nur geprüfte Produkte mit minimalem THC-Gehalt.
Vollspektrum CBD Öle von hanfgeflüster
Quellen und Studien
(1) Allen, J. H., de Moore, G. M., Heddle, R., & Twartz, J. C. (2004). Cannabinoid hyperemesis: cyclical hyperemesis in association with chronic cannabis abuse. Gut, 53(11), 1566–1570.
(2) Knowlton M. C. (2019). Cannabinoid hyperemesis syndrome. Nursing, 49(10), 42–45.
(3) Peles, S., Khalife, R., & Magliocco, A. (2025). Cannabinoid Hyperemesis Syndrome: A Rising Complication. Cureus, 17(2), e78958.