Mutter liegt mit ihrem Neugeborenen auf dem Bett

CBD in der Stillzeit: Warum du jetzt besser verzichtest

Geschrieben von Anne Ullrich

Aktualisiert am

|

Lesezeit 9 min

Das Baby ist da, du bist überglücklich - und kämpfst trotzdem mit den Folgen von Schlafmangel und Stress? Was klingt da besser als ein natürliches Mittel gegen Verspannungen, Anspannung und Schlafproblemen?

Aber: Zwar ist CBD super geeignet, um dein Wohlbefinden zu verbessern. Gerade in der Stillzeit solltest du aber besser darauf verzichten. Der folgende Artikel erklärt dir, warum!

Das Wichtigste im Überblick

CBD ist fettlöslich, geht in die Muttermilch über und kann sich dort anreichern.

Es gibt keine ausreichenden Studien zu den Auswirkungen auf die Gehirn- und Organentwicklung von CBD bei Säuglingen. Der Konsum von CBD während der Stillzeit ist daher nicht empfehlenswert.

Akupunktur, Physiotherapie und topisches CBD bieten natürliche Hilfe ohne Risiko fürs Baby.

Darum ist CBD so interessant für junge Mütter

Frischgebackene Mamas stehen oft unter ziemlichem Druck. Schlafmangel, Hormonschwankungen, Rücken- und andere Schmerzen - wer würde sich da keine Unterstützung wünschen? Und weil die meisten Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit tabu sind, wenden sich viele junge Mütter natürlichen Alternativen zu. Eine davon: Cannabidiol (CBD).

Viele Anbieter bewerben auch gezielt CBD während der Schwangerschaft und Stillzeit als natürliche und sanfte Lösung für Stress, Schmerzen und Schlafprobleme. Aber: Während CBD bei Erwachsenen als sehr gut verträglich und sicher gilt, ist die Situation in der Stillzeit eine völlig andere.

Alles, was du zu dir nimmst, kann über dein Blut in die Muttermilch gelangen - und damit direkt zu deinem Baby. Und bei einem so kleinen Körper sind die Mechanismen natürlich ganz anders als bei Erwachsenen.

So gelangt CBD in die Muttermilch

Schauen wir uns kurz an, wie die Stoffe, die du zu dir nimmst, überhaupt in die Muttermilch gelangen.

Dein Blutkreislauf und die Milchproduktion sind nicht vollständig voneinander getrennt. Denn: Die Milchdrüsen in deiner Brust sind von einem dichten Netzwerk aus Blutgefäßen durchzogen. Substanzen aus deinem Blutkreislauf - egal ob Medikamente, Nährstoffe oder eben auch CBD - können die Blut-Milch-Schranke passieren und in die Muttermilch übergehen.

So könnte der Weg des CBD durch deinen Körper aussehen:

  1. Du nimmst CBD oral ein (Öl, Spray)

  2. CBD gelangt über deinen Verdauungstrakt ins Blut

  3. Dein Blut transportiert CBD durch deinen ganzen Körper - auch zu den Blutgefäßen in der Brust

  4. CBD kann die Blut-Milch-Schranke überwinden

  5. Dein Baby nimmt das CBD beim Stillen auf

Besonders tückisch: CBD ist fettlöslich (lipophil), und Muttermilch enthält einen hohen Fettanteil. Das bedeutet, dass sich CBD besonders gut in der Milch anreichern kann, vielleicht sogar in höheren Konzentrationen als in deinem Blut. Dein Baby würde diese Milch mit einer hohen CBD-Dosis trinken und so selbst eine ziemlich hohe Dosis CBD aufnehmen.

Infografik: So gelangt CBD in die Muttermilch

Natürliche Endocannabinoide in der Muttermilch

Das Spannende: Wusstest du, dass deine Muttermilch selbst Cannabinoide enthält? Da sie dein Körper selbst produziert, nennt man sie Endo- also körpereigene Cannabinoide. Diese spielen eine ziemlich wichtige Rolle bei der Entwicklung deines Babys: Sie fördern den Saugreflex, unterstützen das Immunsystem und beeinflussen die neuronale Entwicklung deines Kindes.

Dein Körper produziert diese Stoffe in genau der richtigen Menge und Zusammensetzung. Exogenes CBD (also von außen zugeführtes) ist nicht nur überflüssig - es würde auf die Cannabinoid-Rezeptoren im Körper deines Kindes einwirken und das fein abgestimmte System durcheinanderbringen.

Die Studienlage zu CBD in der Stillzeit

Noch ein Problem: Wir wissen kaum etwas zur Wirkung von CBD in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und auf Kinder (egal, welchen Alters). Forschungsergebnisse und Studien gibt es kaum. Das bestätigt auch eine Metastudie aus den USA. (1)

Der Grund ist meist, dass Studien an Schwangeren und Stillenden relativ schwierig sind, ebenso an sehr kleinen Kindern. Die meisten Erkenntnisse stammen aus Tierstudien oder sind Rückschlüsse aus Cannabis-Studien, bei denen THC und CBD zusammen untersucht wurden. Bei letzteren geht es allerdings meist um Cannabis-Missbrauch in der Schwangerschaft und die möglichen negativen Folgen für das Kind.

Eine norwegische Studie untersuchte beispielsweise 9.312 Frauen mit 10.373 Schwangerschaften zwischen 1999 und 2008 hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen dem Konsum von THC-haltigem Cannabis während der Schwangerschaft und den negativen Folgen. (2)

Den Forschenden zufolge ergab sich eine signifikante Verbindung zwischen dem Cannabiskonsum der Mutter während der Schwangerschaft und einem reduziertem Geburtsgewicht des Kindes. Weitere Studien deuten darauf hin, dass Cannabis in der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Babys beeinträchtigen kann.

Eine Studie zu Rückständen von THC und CBD in Muttermilch konnte außerdem zeigen, dass beide Stoffe für längere Zeit in der Milch nachweisbar bleiben. (3) Auch wenn CBD selbst für dich also ziemlich nebenwirkungsarm ist - die Auswirkungen auf dein Baby sind noch völlig unklar. Nicht umsonst raten offizielle Stellen wie die US-amerikanische FDA von CBD während der Stillzeit ab. (4)

THC-Gehalte in CBD-Öl

CBD wird in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und ist nur bei einem THC-Gehalt unter 0,3 % legal. Die Qualität von CBD-Produkten schwankt aber teilweise stark. Seriöse Anbieter investieren in umfassende Qualitätskontrollen und einen transparenten Herstellungsprozess.

Unseriöse Hersteller hingegen können beispielsweise oft nicht dafür garantieren, dass der THC-Gehalt ihrer Produkte wirklich minimal ist. Besonders Vollspektrum-Öle von geringerer Qualität können oft relativ viel THC enthalten. Selbst wenn du also gar nichts davon merkst, kann das THC bei deinem Kind ankommen und negative Folgen verursachen. Auch weitere gesundheitsschädigende Rückstände sind in Billigprodukten möglich.

CBD vs. Alkohol, Nikotin und Koffein in der Muttermilch

CBD und THC sind nicht die einzigen Stoffe, die in die Muttermilch übergehen können. Hier eine kleine Übersicht:

Substanz

In der Milch nachweisbar?

Wie lange?

Hauptrisiken für dein Baby

CBD

Ja

Stunden bis Tage

Unbekannte Langzeiteffekte, Einfluss auf die Leber

THC

Ja

Bis zu 6 Tage

Gehirnentwicklung, Sedierung

Alkohol

Ja

2-3 Stunden

Sedierung, Entwicklungsstörungen

Nikotin

Ja

Mehrere Tage

Wachstumsstörungen, SIDS-Risiko

Koffein

Ja

3-5 Stunden

Unruhe, Schlafprobleme

Während Koffein und Alkohol für viele Mütter aber ohnehin ein No-Go sind, ist die Informationslage bei CBD für viele junge Mütter oft nicht so klar. Während THC intuitiv meist abgelehnt wird, ist das bei CBD oft nicht so. Selbst manche Hebammen empfehlen CBD als vermeintlich sanfte Hilfe. Dabei sind selbst die bisher bekannten Risiken nicht unerheblich.

Risiken für Mutter und Kind

Risiken für dich als Mutter

Blutdrucksenkung: CBD kann den Blutdruck senken. In Kombination mit dem bereits niedrigeren Blutdruck vieler frischgebackener Mütter kann das zu Schwindel oder Kreislaufproblemen führen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten: CBD hemmt bestimmte Leberenzyme (CYP450-System), die für den Abbau vieler Medikamente zuständig sind. Nimmst du nach der Geburt noch Schmerzmittel, Antibiotika oder andere Medikamente? Dann kann CBD deren Wirkung verstärken oder abschwächen.

Auswirkungen auf die Milchproduktion: Hier ist die Datenlage unklar. Einige Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass Cannabis die Milchproduktion beeinflussen könnte - ob das aber auch für reines CBD gilt, ist nicht ausreichend erforscht.

Risiken für dein Baby

Infografik: Warum Babys empfindlich auf CBD reagieren – Gehirnentwicklung, unreife Leber und Einfluss auf das Immunsystem bei Säuglingen

Gehirnentwicklung: Das Gehirn deines Babys entwickelt sich rasant. Cannabinoide interagieren mit dem Endocannabinoid-System, das für diese Entwicklung zentral ist. Externe Cannabinoide könnten den Prozess stören - und langfristig negative Folgen für dein Kind haben.

Unreifes Lebersystem: Die Leber deines Babys ist noch nicht vollständig ausgereift. CBD wird hauptsächlich in der Leber abgebaut. Bei Säuglingen kann das zu einer Ansammlung von CBD im Körper führen - mit unvorhersehbaren Folgen.

Immunsystem und weitere Entwicklung: Da das Endocannabinoid-System auch Immunfunktion, Appetit und weitere Prozesse steuert, könnten Störungen auch hier weitreichende Konsequenzen haben.

CBD zum Auftragen

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, CBD sicher in der Stillzeit zu verwenden: Topische Mittel, also solche, die auf die Haut aufgetragen werden. Das können fertige Salben und Balsame sein, aber auch CBD-Öle können auf die betroffenen Stellen gegeben und einmassiert werden.

In dieser Form wirkt das CBD vor allem lokal und gelangt nicht in den gesamten Blutkreislauf. Vor allem für Verspannungen und für sanfte Massagen haben sich topische Anwendungen bewährt.

Wichtig: CBD-Produkte niemals im Brustbereich anwenden, damit dein Baby es nicht versehentlich aufnimmt. Wasch dir nach der Verwendung unbedingt gründlich die Hände. Achte bitte außerdem darauf, nur THC-freie Produkte zu verwenden, die das mit Laboranalysen bestätigen können. Und: Sprich zur Sicherheit vorab mit deiner Ärztin oder deiner Hebamme.

Weitere natürliche Hilfen

Es muss aber nicht immer CBD sein. In der Stillzeit stehen dir weitere, wirksame Mittel zur Verfügung, um dein Wohlbefinden zu verbessern. 

Akupunktur

Wirkt sanft gegen Stress, Ängste, Schlafprobleme und Schmerzen. Die Studienlage bestätigt, dass es keine Risiken für das Baby gibt. Besonders wirksam bei postnatalen Beschwerden.

Ingwer

Ingwer ist das am besten erforschte natürliche Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit. Es kann zum Beispiel als Tee, Bonbons oder pur genossen werden.

Tees

Kräutertees wie Kamille oder Lavendel können beruhigend wirken, sollten aber ebenfalls in Maßen genossen werden, da sie ganz eigene Nebenwirkungen haben können.

Ausgewogene Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen hilft deiner Gesundheit und verbessert zugleich die Qualität der Muttermilch.

Physiotherapie und Massagen

Bei Rücken- und Nackenschmerzen vom Stillen oft effektiver als jedes Schmerzmittel. Massage und sanfte Bewegung können Verspannungen lösen und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten bei Verschreibung durch den Arzt.

Entspannungstechniken

Progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Meditation - wissenschaftlich belegt wirksam gegen Stress und Schlafprobleme.

Wärme

Sanfte Wärme (z.B. lauwarme Bäder, warme Kompressen) hilft bei Muskelschmerzen und steigert das allgemeine Wohlbefinden.

Dein Arzt oder deine Hebamme helfen dir, weitere sichere Alternativen gegen Stress, Schlafprobleme oder andere Beschwerden zu finden.

Unser Fazit: CBD in der Stillzeit? Lieber nicht!

Klar, das Leben als frischgebackene Mama ist nicht leicht. Schlafmangel, Schmerzen, Stress - dass du da Linderung suchst, ist mehr als berechtigt. Aber wenn es um die Stillzeit geht, lautet die klare Empfehlung wirklich aller seriösen Experten: CBD? Lieber nicht.

Denn: CBD geht nachweislich in die Muttermilch über, die Auswirkungen auf Säuglinge sind nicht ausreichend erforscht (Langzeitstudien fehlen komplett) und viele CBD-Produkte enthalten Rückstände von THC und anderen, potenziell gefährlichen Substanzen.

Denk dran: Auch wenn sich die Stillzeit sehr lang anfühlen kann, sie geht vorbei. In jedem Fall ist jetzt nicht die Zeit für Experimente und Substanzen, deren Risiken noch nicht ausreichend erforscht sind. Die Gesundheit deines Babys wird es dir danken!

FAQ: Die häufigsten Fragen zu CBD in der Stillzeit

Geht CBD in die Muttermilch über?

Ja, definitiv. Da CBD fettlöslich ist und Muttermilch einen hohen Fettanteil hat, kann es sich dort sogar anreichern.

Ist topisches CBD in Ordnung?

Richtig angewendet, ist CBD zum Auftragen auf die Haut auch in der Stillzeit sicher. Achte darauf, es nur fernab der Brust und nach ärztlicher Absprache anzuwenden.

Was ist mit THC-Rückständen in CBD-Produkten?

Selbst in Deutschland legale Produkte mit bis zu 0,3% THC können bei regelmäßiger Einnahme THC in der Muttermilch anreichern. Da THC dokumentierte Risiken für die Gehirnentwicklung des Säuglings hat, ist das sehr problematisch.

Wann kann ich nach dem Abstillen wieder CBD einnehmen?

Sobald du vollständig abgestillt hast und dein Baby keine Muttermilch mehr bekommt, gelten für dich die normalen Erwachsenen-Richtlinien.

Was ist mit natürlichen Cannabinoiden in Muttermilch?

Deine Muttermilch enthält von Natur aus Endocannabinoide - das ist normal und wichtig für dein Baby. Diese körpereigenen Substanzen sind exakt dosiert und reguliert. Externe Cannabinoide wie CBD können dieses komplizierte System stören.

Was mache ich, wenn ich bereits CBD genommen habe?

Keine Panik, aber: Setze es sofort ab und sprich mit deinem Arzt. Je nach Menge und Häufigkeit kann er dir raten, möglicherweise für 1-2 Tage abzupumpen und die Milch wegzuwerfen. Dein Baby wird höchstwahrscheinlich keine akuten Schäden davontragen, vermeide aber zukünftig, CBD zu dir zu nehmen.

Quellen

(1) Sarrafpour, S., Urits, I., Powell, J., Nguyen, D., Callan, J., Orhurhu, V., Simopoulos, T., Viswanath, O., Kaye, A. D., Kaye, R. J., Cornett, E. M., & Yazdi, C. (2020). Considerations and Implications of Cannabidiol Use During Pregnancy. Current pain and headache reports, 24(7), 38.

(2) Grant, K. S., Petroff, R., Isoherranen, N., Stella, N., & Burbacher, T. M. (2018). Cannabis use during pregnancy: Pharmacokinetics and effects on child development. Pharmacology & therapeutics, 182, 133–151.

(3) Josan, C., Shiplo, S., Fusch, G., Raha, S., & Shea, A. K. (2023). Cannabis use during lactation may alter the composition of human breast milk. Pediatric research, 93(7), 1959–1968.

(4) Knopf, A. (2020). FDA on CBD in pregnancy and breastfeeding. The Brown University Child and Adolescent Behavior Letter, 36(4), 9–10.